Bandscheibenprothese

Eine Bandscheibenprothese ist ein künstlicher Bandscheibenersatz aus Metall und Kunststoff und ist vor allem dann eine Option, wenn starke Rückenschmerzen und Bewegungseinschränkungen infolge eines Bandscheibenschadens im Hals- oder Lendenwirbelsäulenbereich auf keine andere therapeutische Intervention (mehr) ansprechen.

Eine häufige Indikation ist z.B. das nur schwer zu therapierende Postnukleotomiesyndrom nach der operativen Entfernung eines Bandscheibenvorfalls, insbesondere, wenn die unteren Bewegungssegmente (L 4/5 und L 5/S 1) betroffen und die angrenzenden Wirbelkörper in Mitleidenschaft gezogen (Osteochondrose) sind. Dagegen wird ein akuter Bandscheibenvorfall im Bereich der Lendenwirbelsäule in der Regel mikrochirurgisch bzw. endoskopisch entfernt und stellt im Gegensatz zum gleichen Krankheitsbild im Bereich der Halswirbelsäule keine Indikation für den künstlichen Bandscheibenersatz dar.

Dank der Fortschritte in der Implantatentwicklung sind die modernen Bandscheibenprothesen heute optimal auf die besonderen anatomischen und funktionellen Gegebenheiten der Hals- bzw. Lendenwirbelsäule abgestimmt und erlauben daher natürliche Bewegungsabläufe, wodurch der betroffene Wirbelsäulenabschnitt vollständig beweglich bleibt. Zudem verfügen sie über dämpfende Eigenschaften, wie sie auch die gesunde Bandscheibe auszeichnen. Dies gewährleistet, dass die angrenzenden Wirbelabschnitte nicht überlastet werden.

Die Implantation einer modernen Bandscheibenprothese hat sich als effektive Alternative zur klassischen Versteifungsoperation der Wirbelsäule erwiesen, bei der die Wirbelkörper nach Entfernung der Bandscheibe fusioniert (= versteift) werden. Zwar lassen sich auch mit dieser etablierten Methode gute Ergebnisse erzielen. Allerdings hat das Verfahren den Nachteil, dass die natürliche Kraftübertragung an der Wirbelsäule gestört wird, sodass die Bandscheiben, die an den versteiften Wirbelsäulenabschnitt angrenzen, überlasten. Die Folge kann ein erneuter bandscheibenbedingter Rückenschmerz durch vorzeitigen Verschleiß sein (Anschlussdegeneration).

Exakte Diagnose

Ob im Einzelfall die Implantation einer Bandscheibenprothese infrage kommt, lässt sich nur mithilfe einer exakten Diagnose ermitteln. Neben bildgebenden Verfahren wie Computer- oder Kernspintomographie ist deshalb in den meisten Fällen eine Diskografie (Schmerzprovokationstest) unerlässlich, um die betroffene Bandscheibe eindeutig zu identifizieren. Dabei wird durch eine Punktion des fraglichen Bandscheibenfachs die geschädigte Bandscheibe in einer Röntgenkontrastmitteldarstellung sichtbar gemacht und der typische Rückenschmerz ausgelöst, der dem Patienten zu schaffen macht. Voraussetzung für die Operation ist eine feste Knochenstruktur. Deshalb profitieren Personen im Alter zwischen 20 und 65 Jahren im besonderen Maße von der Implantation einer Bandscheibenprothese. Besteht eine Osteoporose, ein Tumor, eine bakterielle Infektion der Wirbelsäule oder eine fortgeschrittene Arthrose der kleinen Wirbelgelenke, ist die Implantation einer Bandscheibenprothese nicht möglich. Die meisten Modelle bestehen aus zwei titanbeschichteten Metallplatten (Grund- und Deckplatte) und einem dazwischen liegenden Kunststoffkern aus Polyethylen, der die Beweglichkeit gewährleistet. Die raue Oberflächenbeschaffenheit und die Beschichtung der Metallplatten ermöglichen ein gutes knöchernes Anwachsen der Prothese an die angrenzenden Wirbelkörper.

Ziel der Behandlung

Ziel der Operation ist es, durch die Rekonstruktion der „gesunden“ Bandscheibenhöhe die ursprüngliche Stabilität sowie die normale Beweglichkeit des betroffenen Bewegungssegments wiederherzustellen. Dabei werden die Zwischenwirbellöcher operativ geweitet und die Nervenwurzel von ihrer Einengung befreit. Zudem werden die beteiligten kleinen Wirbelgelenke sowie die Bänder in ihre ursprüngliche Lage gebracht

So läuft die Behandlung ab

Die eineinhalb bis zweistündige minimal-invasive Operation erfolgt unter Vollnarkose über einen kleinen Schnitt durch die Bauchdecke. Die Lendenwirbelsäule wird an der Bauchhöhle vorbei (retroperitoneal) oder durch sie hindurch (transperitoneal) erreicht. Die geschädigte Bandscheibe wird entfernt und ein Teil des Knorpels an den Grund- und Deckplatten der angrenzenden Wirbel weggeraspelt. Mithilfe einer Röntgendurchleuchtung wird die Bandscheibengröße bestimmt und dann ein passendes Implantat ausgewählt. Dieses wird nach Weitung des Zwischenwirbelraums zementfrei verankert und durch den Druck der Wirbelsäule stabilisiert. Insgesamt können zwei bis drei Bandscheibensegmente gleichzeitig ersetzt werden, wenn auch benachbarte Bandscheiben geschädigt sind. Innerhalb von drei bis sechs Monaten wächst das Knochenmaterial in die beschichteten Grund- und Deckplatten der Bandscheibenvollprothese ein. Da dieser Eingriff durch den Bauchraum ausgeführt wird, bleiben die leicht verletzbaren und empfindlichen Rückenmuskeln intakt, sodass sich im Allgemeinen eine sofortige Schmerzlinderung einstellt. Schon am ersten Tag nach der Operation kann der Patient aufstehen, die Entlassung aus der Klinik erfolgt am dritten bis fünften Tag nach dem Eingriff. In den ersten Wochen darf der Operierte alle Bewegungen ausführen, die ihm schmerzfrei bzw. erträglich möglich sind, er sollte aber keine schweren Lasten heben oder sich Extrembewegungen aussetzen. Zur Stabilisierung dient ein elastisches Mieder, das vom Patienten selbst angelegt wird. Bei komplikationslosem Verlauf ist im Anschluss an den Klinikaufenthalt keine stationäre Rehamaßnahme notwendig; in der Regel genügt ein ambulantes Physiotherapieprogramm zur Kräftigung der Rückenmuskulatur sowie regelmäßige Nachuntersuchungen. Durch die Wiederherstellung der „natürlichen Verhältnisse“ im betroffenen Segment kann die Wirbelsäule wieder normal belastet werden. Deshalb sind din der Regel auch keine Einschränkungen in Bezug auf Alltagsbelastungen, der Sportfähigkeit oder Sexualfunktion zu erwarten. Die Mehrzahl der Patienten ist bereits vier bis sechs Wochen nach der Operation mit ihrem Zustand sehr zufrieden.

Vorteile

  • Die Beweglichkeit und Funktionsfähigkeit der geschädigten Hals- bzw. Lendenwirbelsäule bleiben erhalten.
  • In der Regel lässt sich durch die Implantation einer Bandscheibenprothese eine Anschlussdegeneration vermeiden.
  • Der stationäre Aufenthalt ist mit drei bis fünf Tagen relativ kurz.
  • Bereits unmittelbar nach der Operation ist der Patient wieder mobil.
  • Der Eingriff führt zu einer raschen Schmerzlinderung.
  • Schon nach vier bis sechs Wochen kann der Patient seine gewohnten Aktivitäten aufnehmen und ins Berufsleben zurückkehren.
  • Die Erfolgsquote ist mit ca. 85 Prozent sehr hoch.

Mehr zum Thema:

Das MVZ im Helios hat eine Broschüre zum Fachbereich „Wirbelsäule“ veröffentlicht. Nachfolgend können Sie diese als PDF herunterladen.

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2.1 Wirbelsäule