Dr. Zirngibl: Endlich schmerzfrei bewegen – Patient Knie

Endlich schmerzfrei bewegen – Patient Knie

Arthrose, Bänder- und Meniskus-Schäden - wie man Gelenkprobleme in den Griff bekommt

Sind viele Eingriffe am Knie überflüssig?
Grundsätzlich gilt: Eine Operation ist immer die letzte -Lösung – nach konservativen Methoden mit Medikamenten oder Physiotherapie. Aber ein Kreuzbandriss bei jungen Patienten sollte z. B. operiert werden, denn sonst kann das Knie mit der Zeit instabil werden, was einen Verschleiß (Arthrose) begünstigt. Auch ein großer Meniskusschaden wird meist operiert.

Warum ist eine OP des Meniskus wichtig?
Die halbmondförmigen, elastischen Meniskusscheiben fungieren als Stoßdämpfer zwischen den Gleitflächen. Ein kaputter Meniskus hat eine Wirkung wie Sand im Getriebe. Die Gleitfähigkeit geht verloren und es bildet sich eher eine Arthrose. Ein Riss, der aufgrund von Abnutzung entsteht, tut nicht immer weh, kann aber zu Verklemmungen im Gelenk führen. Schmerzen treten eher bei Belastungen wie beim Treppen hinabgehen auf – oder sie kommen in Schüben. Entsteht der Riss durch einen Unfall, schwillt das Knie an und blockiert. Eine Kernspinaufnahme bringt Klarheit, ob der Riss per OP behandelt werden muss.

Heilt ein Riss des Kreuzbands auch allein aus?
Ist das Kreuzband nur gedehnt oder leicht eingerissen, kann man tatsächlich noch einmal abwarten, denn durch den Vernarbungsprozess wird das Band stabiler. Spürt der Patient allerdings, dass das Knie sich unsicher anfühlt, muss es operiert werden. Anders ist es beim Riss des Innenbands, was sogar häufiger vorkommt: Hier wird das Bein nur mit einer Schiene ruhig-gestellt, damit der Riss vernarbt.

Gibt es neue Therapien bei Arthrose?
Ja, etwa die Behandlung mit Stammzellen. Diese entnimmt man aus dem Bauchfett, bereitet sie im Labor auf und spritzt sie ins Gelenk, wo sie verbleibende Knorpelzellen zur Vermehrung anregen sollen (ab 3 000 €, manche Kassen beteiligen sich). Allerdings ist die Wirkung noch nicht hundertprozentig bewiesen. Derzeit laufen zwei wissenschaftliche Studien, die bis 2018 Ergebnisse liefern sollen.

Was hilft noch bei Verschleiß?
Spezielle weiche Einlegesohlen, die den Druck aus dem Gelenk nehmen (Kasse zahlt). Sind die Schmerzen sehr stark und reibt Knochen auf Knochen, hilft häufig nur ein künstliches Gelenk (Kasse zahlt).

Kann man damit Sport machen?
Ja, aber man sollte sich den Bedürfnissen des Knies anpassen. Etwa lieber radeln als joggen, Tennis auf Sandboden statt Squash und Badminton spielen. Grundsätzlich gilt: Nicht übertreiben und eventuell abnehmen, denn ein hohes Gewicht belastet das Gelenk.

Drei häufige Erkrankungen

Meniskusverletzung
Problem: Die Knorpelscheiben zwischen Ober- und Unterschenkel können bei starker Druckbelastung oder durch Verschleiß einreißen. Abgerissene Teile führen zu Reizungen und Flüssigkeits-ansammlungen im Gelenk.
Therapie: Große Risse werden per Arthroskopie (Kniespiegelung) genäht, lose Teile entfernt. Ansonsten genügen Medikamente und Physiotherapie.

Knorpelverschleiß
Problem: Bei Überlastung und Bewegungsmangel geht Knorpelmasse verloren. Die Knochen-enden verlieren ihre Gleitfläche und reiben aufeinander.
Therapie: Entzündungslindernde Mittel mit Ibuprofen sowie ein Schmerzgel helfen im Akutfall. Das ist wichtig, um weiter in Bewegung zu bleiben. Dadurch erhält der Knorpel Nährstoffe, die Muskeln werden gestärkt.

Kreuzbandriss
Problem: Bänder geben dem Gelenk Halt. Bei starker Überstreckung oder Beugung (z. B. Sportunfall) kann ein Band reißen. Das Knie schwillt an und schmerzt, der Gang wird unsicher.
Therapie: Oft reichen Kühlung, Schonung und Krankengymnastik aus. Bei einer OP entnimmt der Chirurg meist eine Sehne, z. B. von der Kniescheibe, und ersetzt damit das verletzte Band.

Dr. Werner Zirngibl DR. WERNER ZIRNGIBL ist Facharzt für Orthopädie, Chirotherapie, Sportmedizin am Medizinischen Versorgungszentrum Helios in München.