Kreuzbandriss

Kreuzbänder sind normalerweise sehr reißfest und machen einen Großteil der Kniegelenkstabilität aus. Zu einem Riss der Kreuzbänder (meist des vorderen) kommt es unter Einwirkung von Hebel- und Rotationskräften, z.B. bei Sport- oder Freizeitunfällen. Häufig ist nicht nur der Schmerz das Problem, sondern auch die unausweichliche Instabilität im Kniegelenk. Bei einem vorderen Kreuzbandriss lässt sich das Schienbein gegenüber dem Oberschenkel nach vorn verschieben, was ein Instabilitätsgefühl oder gar ein Wegknicken des Kniegelenkes bedingen kann. Außerdem schmerzt das Knie, es schwillt an und nicht selten bildet sich ein Gelenkerguss. Bleibt die Instabilität unbehandelt, kommt es zu Folgeschäden an Menisken und Gelenkknorpel, sodass mit der Zeit das gesamte Kniegelenk zerstört werden kann. Beim sehr viel selteneren Riss des hinteren Kreuzbandes schwillt das Knie ebenfalls schmerzhaft an, doch lässt sich das Schienbein gegenüber dem Oberschenkel nach hinten verschieben. Abhängig davon, welches Kreuzband betroffen ist, ob es sich um einen Einriss oder um einen vollständigen Riss handelt, aber auch, wo genau der Schaden im Verlauf des Kreuzbands lokalisiert ist, legen wir die Therapiestrategie fest. Ziel aller Behandlungsoptionen ist es, dass das betroffene Kniegelenk wieder vollständig stabil, beweglich und belastbar ist.

Konservative Therapie des vorderen Kreuzbandrisses

Mitunter kann eine konservative Behandlung ausreichen, etwa wenn ein stabiler Teilriss des vorderen Kreuzbands vorliegt. Dies gilt vor allem dann, wenn die Verletzung die Beweglichkeit und Aktivität des Betroffenen im Alltag nicht wesentlich behindert. Auch das Alter und ein geringer körperlicher Aktivitätsanspruch können Gründe für einen nicht-operativen Therapieansatz sein. Im Vordergrund steht ein Muskelaufbauprogramm aus manualtherapeutischen und physiotherapeutischen Übungen, das darauf abzielt, die Muskulatur am Kniegelenk so zu stärken, dass sie den Verlust des Kreuzbands kompensiert und dem Kniegelenk wieder seine Stabilität verleiht. Um eine Überlastung des Kniegelenks zu vermeiden, empfiehlt es sich, während des Trainings eine Orthese zu tragen. Zur Überprüfung des Behandlungserfolgs führen wir zu Beginn und dann noch einmal sechs Wochen nach dem Therapieprogramm eine elektronische Ganganalyse sowie spezielle Muskelfunktionstests durch. Erweist sich das Kniegelenk weiterhin als instabil, ist in der Regel ein operativer Eingriff notwendig.

Rekonstruktion des vorderen Kreuzbands

Hier wird das gerissene Kreuzband vollständig durch ein Transplantat (Kreuzbandplastik) ersetzt. Dazu wird eine körpereigene Sehne operativ in den ursprünglichen Verlauf des gerissenen Kreuzbandes eingebracht. Infrage kommen in der Regel entweder die Kniescheibensehne (Patellarsehne) oder eine Sehne (Semitendinossehne), die sich an der Innenseite des Oberschenkels befindet. Der Patient hat durch die Entfernung der Sehne von ihrer ursprünglichen Lage üblicherweise keine Nachteile. Die Verankerung des Transplantates im Knochen erfolgt entsprechend der Transplantatwahl entweder mit Schrauben oder Stiften. Der Eingriff wird arthroskopisch assistiert durchgeführt, d.h. dass nur die Transplantatentnahme offen erfolgt. Der Rest der Operation wird arthroskopisch vorgenommen. Dadurch ist der minimal-invasive Kreuzbandersatz wesentlich gelenkschonender als eine konventionelle Operation. Meist können die Patienten bereits nach 14 Tagen auf Gehstützen und nach sechs Wochen auf Orthesen (Kunststoffschiene) verzichten. Bis zur vollen Wiedererlangung der Sportfähigkeit muss aber mit einer mehrwöchigen Erholungszeit gerechnet werden. Wichtig ist eine konsequente Physiotherapie zum Muskelaufbau.  

Revisionseingriffe am vorderen Kreuzband

Revisionseingriffe sind immer dann notwendig, wenn es entweder zu einer erneuten Verletzung des bereits operierten Kreuzbands gekommen ist, oder wenn das Kniegelenk trotz operativen Eingriffs weiterhin instabil ist und/oder immer noch Schmerzen bestehen. Ein Revisionseingriff setzt grundsätzlich eine sehr genaue Diagnose und Therapieplanung voraus und muss immer individuell, gemeinsam mit dem Patienten, entschieden werden.

Behandlungsmöglichkeiten des hinteren Kreuzbandrisses

Verletzungen des hinteren Kreuzbands gehen in der Regel auf eine extrem starke Krafteinwirkung zurück, etwa bei einem Auto- oder Motorradunfall. Sie sind zwar deutlich seltener als Schäden des vorderen Kreuzbands, doch werden sie wesentlich häufiger übersehen. Dadurch bleibt eine angemessene Behandlung oft aus. Infolgedessen kann sich eine chronische komplexe Instabilität des Kniegelenks mit einem sehr hohen Risiko für die Entstehung einer vorzeitigen Arthrose entwickeln. Umso wichtiger sind eine ausführliche Anamnese und sorgfältige Diagnose – auch, um zu entscheiden, ob eine konservative Behandlung für eine vollständige Heilung ausreicht.

Mehr zum Thema:

Das MVZ im Helios hat eine Broschüre zum Fachbereich „Knie & Hüfte“ veröffentlicht. Nachfolgend können Sie diese als PDF herunterladen.

Download
2.3 Knie | Hüfte