Hydrogel-Implantation zur Schmerzbehandlung bei Verschleißerkrankungen der Bandscheibe

Wenn chronische Schmerzen infolge einer Verschleißerkrankung der Bandscheiben mit konservativen Maßnahmen nicht (mehr) nachhaltig gelindert werden können,kam lange Zeit meist nur noch ein operativer Eingriff in Betracht. Nun steht uns mit der Hydrogel-Implantation ein Verfahren zur Verfügung, mit der wir die Bandscheibe direkt behandeln können, ohne sie entfernen zu müssen.

Degenerativ veränderte Bandscheiben sind flacher als eine gesunde Bandscheibe, weil sie an Elastizität verloren und ihre Fähigkeit eingebüßt haben, Wasser zu speichern. Der Höhenverlust beeinträchtigt die Bewegungen zwischen den Wirbeln und die Haltefunktion der Bänder der Wirbelsäule. Deshalb werden mit der Zeit auch die die Gelenke zwischen den Wirbelfortsätzen immer mehr in Mitleidenschaft gezogen, was wiederum zu einer weiteren Belastung der Bandscheiben führt – ein Teufelskreis. Mithilfe eines Hydrogel-Implantats (DiscMaxx HydroGelTM), das direkt in die degenerativ veränderte Bandscheibe platziert wird, ist es möglich, diesen Teufelskreis zu durchbrechen. Denn das Hydrogel sorgt nun dafür, dass die Bandscheibe wieder stabilisiert wird.

Hydrogel ist ein in Wasser gequollenes hydrophiles Polymernetzwerk, wodurch es einerseits Wasser binden kann und andererseits selbst über einen hohen Wassergehalt verfügt. In seiner Zusammensetzung ähnelt es der von Kontaktlinsen, die nachweislich sicher sind und das Auge langfristig mit Feuchtigkeit versorgen. Zudem ist Hydrogel biologisch gut verträglich.

Ziel der Behandlung

Ziel der minimal-invasiven Hydrogel-Therapie ist es, den Substanzverlust der degenerativ veränderten Bandscheibe auszugleichen. Hierfür wird das Hydrogel direkt in die betroffene Bandscheibe eingebracht. Dort quillt es innerhalb von etwa einer Stunde auf das Zehnfache an und baut die Bandscheibe praktisch von innen wieder auf. Dabei wirkt das Hydrogel auch der Dehydrierung entgegen, indem es Wasser in den geschrumpften Kern der Bandscheibe zieht – und dies Tag und Nacht. Das Ergebnis ist eine Verbesserung der Elastizität sowie eine deutliche Vergrößerung der Höhe und des Volumens der Bandscheibe: Nun kann sie wieder seine Pufferfunktion ausüben, und die Belastung für die Wirbelkörper lässt nach. Der Effekt hält einige Jahre lang an und sorgt für eine spürbare Besserung der Beschwerden.

Im Übrigen hat die Behandlung auch einen positiven Effekt auf die Entzündungsprozesse, die oft wesentlich für die Schmerzen verantwortlich sind. Denn dank seiner speziellen Zusammensetzung neutralisiert das Hydrogel den pH-Wert und sorgt so für eine Normalisierung des sauren Milieus, der in der angegriffenen Bandscheibe herrscht. Dies wiederum ist eine wichtige Voraussetzung, um die schmerzhaften degenerativen Entzündungsreaktionen zum Abklingen zu bringen. Außerdem werden dadurch die gesunden Bandscheibenzellen gestärkt, die noch vorhanden sind.

So läuft die Behandlung ab

Bei der Behandlung, die komplett unter Röntgenkontrolle durchgeführt wird, handelt es sich um ein minimal-invasives Verfahren, das heißt, es ist nur ein kleiner Hautschnitt für das Einbringen einer dünnen Hohlnadel notwendig. Dadurch bleiben die postoperativen Schmerzen gering und der Heilungsprozess ist relativ kurz. Über diese Hohlnadel wird das Hydrogel-Implantat direkt in die betroffene Bandscheibe eingebracht. Nach der Platzierung wird die Nadel wieder entfernt. Das Implantat verbleibt an Ort und Stelle, wo es therapeutische Wirkung entfaltet. Der Eingriff dauert etwa 15 bis 20 Minuten und kann unter Lokalanästhesie erfolgen. Wir empfehlen unseren Patienten zur Beobachtung einen zweitätigen stationären Aufenthalt.

Vorteile

  • Die Hydrogel-Implantation ist eine sichere, risikoarme Therapieform, die für den Patienten nur wenig belastend ist. Da nur ein kleiner Schnitt notwendig ist, werden weder Muskeln, Knochen oder Bänder geschädigt. Ebenso bleiben Funktion und Beweglichkeit der Gelenke vollständig erhalten.
  • Es ist keine Vollnarkose notwendig, sodass die damit verbundenen Risiken vermieden werden.
  • Eine spezielle Nachbehandlung ist nicht erforderlich. Körperliche Anstrengung sollte in den ersten beiden Wochen nach dem Eingriff jedoch möglichst vermieden werden.

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Das MVZ im Helios hat eine Broschüre zum Fachbereich „Wirbelsäule“ veröffentlicht. Nachfolgend können Sie diese als PDF herunterladen.

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2.1 Wirbelsäule