SVF-Therapie bei Arthrose

Schon lange stehen innovative Verfahren im Fokus der Medizin, mit denen das natürliche Reservoir unseres Organismus an hochpotenten regenerativen Substanzen gezielt zu therapeutischen Zwecken genutzt werden kann. In der orthopädischen Behandlung von Knorpelschäden in Gelenken hat sich – neben der PRP-Therapie – auch die SVF-Therapie als vielversprechender Ansatz erwiesen. Was „SVF“ genau bedeutet, erklären Prof. Dr. Dr. Armin Keshmiri und Stefan Trost.

Herr Prof. Keshmiri, was kann passieren, wenn eine Arthrose unbehandelt bleibt?

Prof. Keshmiri: Arthrose ist eine degenerative Gelenkerkrankung, bei der die stoßdämpfende Knorpelschicht zwischen den Gelenkflächen zunehmend abgebaut wird. Bleibt eine Behandlung aus, schreitet der Verschleiß weiter fort, bis schließlich kein Gelenkknorpel mehr vorhanden ist. Als Folge reiben die Gelenkflächen nun äußerst schmerzhaft direkt aufeinander. Das ist dann oft der Zeitpunkt, an dem viele Betroffene über einen künstlichen Gelenkersatz nachdenken. Doch selbst, wenn noch Knorpel vorhanden ist, kann eine Arthrose zu erheblichen Beeinträchtigungen führen: von Schmerzen und Bewegungseinschränkungen des betroffenen Gelenks bis hin zu immer wieder aufflackernden Entzündungsreaktionen mit Schwellungen und Gelenkergüssen. Soweit sollte man es möglichst nicht kommen lassen. Dies gilt umso mehr, weil die moderne Arthrosetherapie zunehmend auf regenerative Methoden setzt, mit denen Entzündungsprozessen und überhaupt einem Fortschreiten des Gelenkverschleißes effektiv entgegengewirkt werden kann. Dazu gehört z.B. die SVF-Therapie, mit der wir den Betroffenen auch in fortgeschrittenen Stadien einer Arthrose oft zu einer deutlichen Linderung seiner Beschwerden verhelfen können.

Wofür steht „SVF“?

Stefan Trost: „SVF“ steht für „stromale vaskuläre Fraktion“: eine Zellfraktion, die mithilfe einer speziellen Aufbereitung aus dem Fettgewebe der Patientin oder des Patienten gewonnen wird und zahlreiche entzündungshemmende sowie regenerative Zellen enthält, darunter auch mesenchymale Stammzellen. Dieser Stammzellentyp besitzt die Fähigkeit, sich u.a. in knorpelbildende Zellen (Chondrozyten), knochenbildende Zellen (Osteoblasten) und Fettgewebszellen (Adipozyten) zu differenzieren. Und diese Fähigkeit machen wir uns für den angestrebten Therapieeffekt zunutze, Reparaturvorgänge im Knorpelgewebe anzustoßen, um so einerseits den Entzündungsvorgängen und andererseits dem fortschreitenden Knorpelabbau entgegenzuwirken …

Prof. Keshmiri: … in den USA ist die SVF-Therapie schon seit einigen Jahren ein anerkanntes Verfahren zur Linderung von Arthrosebeschwerden. Für das Verfahren spricht auch, dass es im Allgemeinen gut verträglich und das Risiko für Nebenwirkungen gering ist.

Wie gehen Sie im Einzelnen vor?

Stefan Trost: Die Behandlung erfolgt in mehreren Schritten, die jedoch insgesamt nicht länger als 45 bis 60 Minuten dauert. Zunächst entnehmen wir der Patientin bzw. dem Patienten unter lokaler Betäubung etwas Körperfett aus dem Bauch oder der Hüfte. Dabei gehen wir ähnlich vor wie die Plastisch-Ästhetischen Chirurgen bei der Liposuktion, indem wir zunächst eine kleine Menge Tumeszenzlösung ins Gewebe einbringen und dann mit extra feinen Kanülen etwa 30 Milliliter Fett absaugen. Anschließend wird das Fettgewebe mittels Zentrifugation in seine Bestandteile aufgetrennt und über weitere Zwischenschritte aufbereitet. Das Ergebnis ist ein Konzentrat aus hochwirksamen SVF-Zellen, das wir nun direkt ins betroffene Gelenk injizieren, und zwar genau dort, wo sich der jeweilige Fettkörper des Gelenks befindet. Im Kniegelenk liegt dieser Fettkörper z.B. am unteren Rand der Kniescheibe zwischen Schienbeinkopf und Kniescheibenband und wird Hoffa-Fettkörper genannt …

Prof. Keshmiri: … wichtig ist, dass die SVF-Therapie mit der PRP-Therapie kombiniert wird.  Dabei wirkt das ebenfalls speziell aufbereitete Plasma-Konzentrat wie ein Booster: Die in dem Plasma enthaltenen Blutplättchen (Thrombozyten) und Wachstumsfaktoren unterstützen und verstärken die regenerative Wirkung von SVF noch einmal um ein Vielfaches. Das Ergebnis ist in den meisten Fällen eine deutliche Linderung der Beschwerden: die Episoden einer entzündungsbedingten aktivierten Arthrose werden weniger, Schmerzen werden gemildert oder verschwinden sogar ganz und auch die Beweglichkeit des arthrotisch veränderten Gelenks verbessert sich.

Stefan Trost: … selbst im späten Krankheitsstadium einer Arthrose kann die Kombinationstherapie aus SVF und PRP wertvolle Dienste leisten und im Idealfall sogar die Notwendigkeit eines künstlichen Gelenkersatzes hinauszögern.

Wie lange hält die Wirkung der Behandlung an?

Prof. Keshmiri: Die Wirkdauer ist individuell unterschiedlich. In der Regel setzt die volle Wirkung der SVF-Therapie nach zwei bis acht Wochen ein und hält dann bis zu drei Jahre an. Deutlich verlängern lässt sich die Wirkungsdauer aber durch regelmäßig durchgeführte Booster-Behandlungen mit PRP.

Bio-regenerative Verfahren wie die SVF- und PRP-Therapie sind nur eine von vielen wirksamen Methoden, die zu unserem konservativen Behandlungsspektrum gehören. Sie haben noch Fragen? Dann wenden Sie sich an uns! Die Gelenkspezialisten des Orthopädischen Versorgungszentrums im MVZ im Helios helfen Ihnen  gern weiter.

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