Spinal-Cord-Stimulation

Chronische Schmerzzustände verlangen nach starken Schmerzmitteln, die meist hoch dosiert sein müssen, um dem Patienten Linderung zu verschaffen. Hierbei orientiert man sich am WHO-Stufen-Schema, das ab der dritten Stufe den Einsatz stark wirksamer Opioide vorsieht. Da diese Medikationen häufig mit extremen Nebenwirkungen verbunden ist, sind die Therapiemöglichkeiten bei einigen Patienten erheblich eingeschränkt. Hier besteht, je nach Schmerzlokalisation, die Alternative, auf eine rückenmarksnahe Applikation von Opioiden auszuweichen. Bestimmte Schmerzbilder sprechen aber sowohl auf die rückenmarknahe als auch auf die systemische Opioid-Gabe kaum an. Dies ist besonders oft bei der diabetischen Polyneuropathie und Phantomschmerzen, aber auch bei chronische Rückenschmerzen etwa als Folge von narbigen Veränderungen nach einer Bandscheibenoperation (Postnukleotomiesyndrom) der Fall. Hinzu kommen weitere chronische Schmerzzustände der Wirbelsäule, die auf andere Weise nicht erfolgreich gelindert werden können.

Neue Hoffnung für chronische Schmerzpatienten bietet die Spinal-Cord-Stimulation: Mithilfe eines Impulsgenerators und Elektroden, die direkt im Ort des Schmerzgeschehens implantiert werden, wird die Schmerzweiterleitung über die Nerven zum Gehirn unterbrochen, und die Schmerzen verschwinden.

Ziel der Behandlung

Ziel der Behandlung ist eine nachhaltige Linderung der Schmerzen, sodass den Betroffenen wieder ein weitgehend beschwerdefreies Alltagsleben möglich ist. Hierfür gehen wir in zwei Schritten vor. Zunächst werden die Elektroden auf minimal-invasivem Weg eingesetzt. Ein- bis zwei Wochen später erfolgt dann ein weiterer minimal-invasiver Eingriff zur Implantation des Impulsgenerators. Beide Eingriffe werden unter lokaler Betäubung durchgeführt.

So läuft die Behandlung ab

Im ersten Schritt werden unter Sichtkontrolle direkt an das schmerzauslösende Segment der Wirbelsäule ein oder zwei feine Elektroden über kleine Hautschnitte implantiert. Es folgt eine mehrtägige Testphase: In dieser Zeit prüfen wir, wie der Körper auf die Spinal-Cord-Stimulation reagiert und ob der Patient mit der Stimulation im Alltag gut zurechtkommt. Hierfür werden die Elektroden erst einmal von außen stimuliert. Dabei ist der Impulsgenerator so programmiert, dass unzählige Stimulationsmuster „ausprobiert“ werden können, bis eine individuell zufriedenstellende Einstellung gefunden ist. War die Teststimulation erfolgreich, ist die passende Stimulationsstärke ermittelt und sind die ausgewählten Impulseigenschaften genau auf das individuelle Schmerzmuster abgestimmt, erfolgt in einem zweiten Schritt die Implantation des Impulsgenerators unter die Haut. Dieser übernimmt nun die Erzeugung der Impulse, die dann über die Elektroden in die Schmerzregion weitergeleitet werden. Die beiden Eingriffe sind wenig belastend und sorgen im Idealfall für eine komplette Ausschaltung der Schmerzen. Eventuell nimmt der Betroffene zunächst ein leichtes Kribbeln im Schmerzgebiet wahr, meist vergeht es jedoch infolge des „Gewöhnungseffekts“ nach wenigen Tagen von selbst wieder. Beide Eingriffe werden ambulant durchgeführt und bedürfen keiner speziellen Nachbehandlung. Es ist jedoch empfehlenswert, wenn man jeweils nach der Behandlung eine „Schonwoche“ einplant.

Vorteile

  • Weitgehende Schmerzfreiheit und die Möglichkeit, wieder unbelastet seinen täglichen Aktivitäten nachzugehen.
  • Keine Nebenwirkungen, wie sie für die Schmerztherapie mit stark wirksamen Medikamenten typisch sind.
  • Es ist eine flexible Anpassung an das individuelle Schmerzmuster möglich.
  • Die Belastung durch die minimal-invasiven Eingriffe ist gering, die Zeit der Erholung beläuft sich auf wenige Tage.

Mehr zum Thema:

Das MVZ im Helios hat eine Broschüre zum Fachbereich „Wirbelsäule“ veröffentlicht. Nachfolgend können Sie diese als PDF herunterladen.

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2.1 Wirbelsäule