Kreuzbandriss – nicht immer muss operiert werden

Beim Skifahren, Fußball, Basket- oder Handball und manchmal auch bei einem unglücklichen Sturz im Alltag: Jedes Jahr ereignen sich in Deutschland rund 80 000 Kreuzbandrisse – und ein Großteil wird operativ versorgt. Dass jedoch unter bestimmten Umständen auch eine konservative Behandlung erfolgversprechend sein kann, erklärt unser Kniespezialist Prof. Dr. Dr. Armin Keshmiri.

Herr Prof. Keshmiri, ein Kreuzband kann vollständig gerissen oder nur an- bzw. eingerissen sein – spielt das eine Rolle für die Behandlung?

Prof. Keshmiri: In einigen Fällen schon. Tatsächlich hat sich gezeigt, dass ein Kreuzband, das nur zum Teil eingerissen ist, häufig nicht operiert werden muss, um zu heilen. Bei der Entscheidung für oder gegen eine OP spielen aber auch noch andere Aspekte eine Rolle, etwa inwieweit das Knie von einer Instabilität betroffen ist und/oder ob Begleitverletzungen vorliegen. Ebenso werden individuelle Faktoren wie das Alter des Patienten oder seine sportlichen Ambitionen berücksichtigt. Und auch dies kann für die Entscheidungsfindung bedeutsam sein: Bei der Kreuzbandersatzplastik handelt es sich zwar um ein bewährtes Verfahren handelt, doch Fakt ist, dass nicht alle Patienten mit dem Ergebnis zufrieden sind. Manche haben z.B. das Gefühl, dass das Knie nicht mehr ganz so beweglich ist wie vor der Verletzung. Wägt man also alle Aspekte gegeneinander ab, kann es sein, dass mehr für eine konservative Behandlung als für eine OP spricht.

Lässt sich das Ausmaß der Verletzung immer sofort feststellen?

Im Rahmen der Erstdiagnostik kann es schwierig sein, das tatsächliche Ausmaß der Schädigung abzuschätzen. Selbst eine MRT-Untersuchung kann oftmals nicht sicher Auskunft geben. Dies ist meist erst einige Wochen später möglich, wenn Schwellungen und Einblutungen im Verletzungsgebiet weitgehend abgeklungen und die Bandfasern wieder uneingeschränkt sichtbar sind. Deshalb empfehle ich in einem unklaren Fall, die Entscheidung für oder gegen eine OP nicht sofort zu treffen, sondern erst einmal den Befund der MRT-Kontrolluntersuchung abzuwarten, insbesondere wenn die Stabilität des Knies kaum beeinträchtigt ist.

Welche Maßnahmen stehen bei der konservativen Behandlung eines Kreuzbandrisses im Vordergrund?

Im Vordergrund steht zunächst die Ruhigstellung des Knies mit einer Orthese sowie Maßnahmen zur Schmerzlinderung und zum Abklingen der Schwellung. Wichtig sind außerdem eine Physiotherapie sowie ein gezieltes Muskelaufbautraining in Kombination mit einem Koordinationstraining. Zudem behandeln wir unsere Patienten mit der PRP-Therapie. Das ist eine Form der Eigenbluttherapie, die sehr effektiv den Heilungsprozess unterstützt.

Wann raten Sie zu einer Operation?

Ist das Kreuzband vollständig gerissen, besteht eine ausgeprägte Instabilität und/oder liegen zusätzliche Verletzungen anderer Gelenkstrukturen vor, ist die Kreuzbandersatzplastik in der Regel weiterhin die Methode der Wahl. In den vergangenen Jahren haben auch kreuzbanderhaltende Verfahren zunehmend an Bedeutung gewonnen. Bei geeigneten Verletzungen kann beispielsweise eine innere Schienung des Kreuzbands mithilfe spezieller Tapes eingesetzt werden, um den natürlichen Heilungsprozess zu unterstützen und das eigene Band zu erhalten. Bislang gehört eine kreuzbanderhaltende Operation nicht zu den Standardeingriffen. Wir sind mit diesen innovativen Techniken jedoch bestens vertraut ist und verfügen über entsprechende Erfahrung.

Sie haben Fragen rund um das Thema Kreuzbandriss und seine Behandlung? Oder Ihr Knie bereitet Ihnen aus anderen Gründen Probleme? Dann wenden Sie sich an uns! Wir vom OZM Orthopädie Zentrum München im Helios – MVZ sind spezialisiert auf die Diagnostik und Behandlung sämtlicher Schäden an Kreuzband, Meniskus, Knorpel, Kniescheibe und viele weiteren Beschwerden und Verletzungen des Kniegelenks und helfen Ihnen gern weiter.

 

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